Hausgeschichte

Das „Gotische Haus“ Ritterstraße 86 liegt direkt am Eingang der Altstadt direkt an der ehemaligen „Langen Brücke“ (heute Jahrtausendbrücke), der direkten Verbindung zur Neustadt.

Das Anwesen war bereits Ende des 12. Jahrhunderts bewohnt. An der Ecke zur Johanniskirchgasse stand bereits im 14. Jahrhundert ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Feldsteinkeller, von dem geringe Reste nachgewiesen sind. Vor 1452 baute man entlang der Johanniskirchgasse einen Flügelbau an, der über einen außerordentlich reich ausgestatteten Keller und wahrscheinlich zwei Wohngeschosse verfügte. Schließlich ersetzte man den Fachwerkbau an der Ecke im Jahre 1452 durch den bestehenden Backsteinbau. Er besaß einen von außen zugänglichen Kaufkeller, darüber einen hohen ungeteilten Erdgeschossraum und ein niedriges Speichergeschoss und hat vermutlich als Kaufhaus gedient. An der Ritterstraße fügte man schließlich 1482 einen zweigeschossigen Wohnbau an, von dem sich eine repräsentative, spätgotische Decke erhalten hat. Der Umbau zum bürgerlichen Wohnhaus erfolgte im späten 18. Jahrhundert. Man veränderte die Geschosshöhe im Inneren und brach große Rechteckfenster in die Fassade. Ein Bäcker betrieb im Anbau einen großen Backofen, der vom späten 18. bis ins 20. Jahrhundert immer wieder erneuert wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt das Haus seine spätklassizistische Fassadengestaltung, eine der reichsten in Brandenburg.

Die mittelalterliche Substanz wurde 1983 entdeckt und 1991/92 sowie 2013/14 durch Bauforschung eingehend untersucht. Der Verfall des lange leerstehenden Hauses konnte 2003 durch eine Notsicherung gestoppt werden. 2013/14 folgten eine umfassende Sanierung und die Ergänzung durch einen Anbau an der Johanniskirchgasse.

Die Ritterstraße 86 ist heute Sitz der städtischen Kulturverwaltung. Die Räume im Erdgeschoss werden als öffentlicher Veranstaltungsort und als Fläche für wechselnde Ausstellungen genutzt. In diesem Rahmen sind sie öffentlich. Eine Ausstellung mit eindrucksvollen Funden aus der Hausgeschichte kann im Keller des Hauses nach Voranmeldung mit Führung besichtigt werden.